Ludwig-Erhard-Anlage 1-5, 61352 Bad Homburg vor der Höhe
Das Landratsamt, Bad Homburg v. d. Höhe
Baulich erinnert das Landratsamt des Hochtaunuskreises mit seinen markanten Türmen und torähnlichen Zugängen an eine Burg. Aber es ist keine, in der ein Fürst thront und die Untertanen draußen bleiben. Das 1999 in Betrieb genommene Gebäude ist vielmehr eine Feste der modernen Demokratie, in der die Bürgerinnen und Bürger beziehungsweise vielmehr deren gewählte Vertreterinnen und Vertreter das Sagen haben.
Das Landratsamt
In der Demokratie gilt bekanntlich: Die Mehrheit entscheidet. Doch die wahre Stärke des demokratischen Systems besteht darin, alle anzuhören und die verschiedenen Interessen bei der Entscheidungsfindung angemessen zu berücksichtigen.
Im Landratsamt wird dieses Prinzip täglich gelebt: als Plattform und Schnittstelle zwischen der vergleichsweise konkreten Teilhabe in den Kommunen und den eher abstrakt wirkenden Ebenen von Land und Bund.
Während sich die Verwaltung im Hintergrund um viele Belange kümmert, die die Bürgerinnen und Bürger sowie Vertretungen der 13 kreisangehörigen Städte und Gemeinden oft unterschiedlich stark betreffen, tagt im Herzen der Ludwig-Erhard-Anlage der Kreistag. Das „Hochtaunus-Parlament“ mit seinen 71, auf fünf Jahre gewählten Mitgliedern, stellt mit seinen Beschlüssen die Weichen für die Weiterentwicklung des Kreises.
Dabei erfolgt auch abseits dieser Sitzungen die Ausübung demokratischer Verantwortung. Der 15-köpfige Kreisausschuss unter Leitung des Landrats trifft sich regelmäßig und bereitet unter anderem Beschlussvorlagen für die Gremien vor. Die Fachausschüsse widmen sich in öffentlichen Sitzungen den Vorlagen und holen dabei oft die Expertise der Verwaltung oder anderer Fachleute ein, bevor der Kreistag im Plenum final entscheidet.
Dabei ist der große Saal, das „Forum“, nicht zuletzt ein Ort der Bürger. Regelmäßig gibt es hier Info-Veranstaltungen, ebenso werden mit Preisverleihungen bürgerschaftliches Engagement gewürdigt.
Das heutige Landratsamt ist auch ein Symbol dafür, wie die beiden einst unterschiedlichen Altkreise Obertaunus und Usingen seit ihrer Fusion 1972 zusammengerückt sind und wie Kreisverwaltung und Kreispolitik eine zentrale Heimat bekamen. So waren Teile der Verwaltung früher in verschiedenen Dependancen untergebracht; der Kreistag tagte Ende der 1980er in den Rathäusern von Oberursel und Bad Homburg, früher auch in Neu-Anspach und Königstein, und in den 1970ern sogar in der beengten Kantine des alten Landratsamts auf der Bad Homburger Louisenstraße. Dass der Kreistag einen festen und würdigen Tagungsort hat, ist also eine vergleichsweise neue Errungenschaft.
Harald Konopatzki