Schloßbornerweg 2, 61479 Glashütten
Rathaus, Glashütten
Das Rathaus in Glashütten kann als architektonischer Ausdruck der Gebietsreform gesehen werden. Die Neuordnung der Kommunalverwaltung zu Beginn der 1970er Jahre war im Gebiet der heutigen Gemeinde ein schwieriges Unterfangen. In zwei Schritten wurden 1971/72 die heutigen Gemeinden gebildet. Zunächst fusionierten die bisherigen Gemeinden Oberems und Glashütten, danach wurde auch Schloßborn der neuen Gemeinde zugeschlagen.
Geschichte
Durch diesen Zusammenschluss durchaus selbstbewusster, gleichrangiger Partner entstand tatsächlich ein neues kommunales Gebilde. Es handelte sich vor allem mit Blick auf Schloßborn nicht um eine „Eingemeindung“ kleinerer Dörfer zu einer dominierenden Zentralgemeinde. Schloßborn war in seiner Einwohnerzahl und seinen örtlichen Funktionen auf Augenhöhe mit dem Nachbarn Glashütten, dessen Name für die Gesamtgemeinde übernommen wurde.
Die Fusion bedeutete daher auch besondere Herausforderungen für den Aufbau einer neuen Gemeindeverwaltung, die deutlich größer als die Verwaltungen der bisherigen Altgemeinden werden musste. Wegen der damit verbundenen Raumnöte entschloss man sich schon kurz nach der Gebietsreform zum Bau eines neuen, modernen Rathauses. 1979 konnte mit dem Bau begonnen werden, die feierliche Einweihung fand im Februar 1981 statt.
Das Gebäude war bewusst als neuer Mittelpunkt für die neue Gemeinde konzipiert worden, nicht nur als Sitz für die Verwaltung. Das kommt auch im Namen zum Ausdruck: Es entstand nicht etwa ein Rathaus, sondern ein „Bürgerhaus“ mit ausdrücklich demokratisch-partizipativem Anspruch.
Neben der Verwaltung – dem eigentlichen „Rathaus“ – schuf man einen großen „Bürgersaal“ für Veranstaltungen mit Bühne und zugehöriger Infrastruktur, eine Gaststätte („Bürgerklause“) mit Kollegraum und Kegelbahn, eine Modeboutique und einen Supermarkt. Der Charakter als Forum und Begegnungsort wurde auch durch eine nach den Maßstäben der Zeit barrierefreie Gestaltung eingelöst.
Auch wenn sich die Nutzungen im Einzelnen in den vergangenen 45 Jahren etwas verschoben haben, ist der Charakter als Begegnungsstätte, die Kommunalverwaltung und Veranstaltungsort miteinander verbindet, nach wie vor gegeben. Das Bürgerhaus in Glashütten ist damit ein eindrucksvolles Beispiel für die architektonische Gestaltung kommunaler Demokratie.
Gregor Maier