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Bahnhofsweg 2a, 61279 Grävenwiesbach

Rathaus, Grävenwiesbach

Das Rathaus in Grävenwiesbach ist heute das lebendige Zentrum der lokalen Demokratie. Doch der Weg dorthin – von der Obrigkeit zur bürgerschaftlichen Mitbestimmung – war ein langer, historischer Prozess, der eng mit unserer Region und großen Vordenkern verbunden ist.

Ort der kommunalen Selbstverwaltung

Die Grundlage der heutigen demokratischen Städte und Gemeinden legte Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein (1757–1831). Der im nahen Nassau an der Lahn geborene Staatsmann reformierte im frühen 19. Jahrhundert das Staatswesen grundlegend. Seine Idee: die „kommunale Selbstverwaltung“. Stein war der festen Überzeugung, dass die Bürgerinnen und Bürger die Angelegenheiten ihrer Heimat am besten selbst regeln können. Anstatt von oben herab regiert zu werden, sollten die Menschen vor Ort Verantwortung übernehmen. Auch das Herzogtum Nassau, zu dem Grävenwiesbach lange Zeit gehörte, wurde maßgeblich von diesen aufklärerischen Ideen durchdrungen. Aus Untertanen wurden so schrittweise mündige Bürger.

In der nassauischen Zeit leiteten die sogenannten Schultheißen als verlängerter Arm der Obrigkeit die Geschicke des Ortes. Sitz der Schultheißen war das einstige Amtshaus in der Schulstraße. In der Schulstraße liefen alle Fäden der lokalen Ordnung, Justiz und Verwaltung zusammen.

Als Folge des Vormärz und der Revolution von 1848 wurden die eingesetzten Schultheißen ihres Amtes enthoben und durch gewählte Bürgermeister ersetzt. In der Folge wurden die Amtsgeschäfte aus dem 1848 eingeweihten Schulgebäude (heute Bürgerhaus) geleitet.

Das heutige Rathaus wurde im Jahr 1958 eingeweiht und dient seitdem als Verwaltungssitz. Einen politischen Meilenstein in der Geschichte der Gemeinde und der lokalen Demokratie markiert das Jahr 1972. Im Zuge der hessischen Gebietsreform schlossen sich die bis dahin eigenständigen Dörfer zur neuen „Großgemeinde Grävenwiesbach“ zusammen. Seitdem werden hier im Rathaus die Geschicke von Grävenwiesbach, Heinzenberg, Hundstadt, Laubach, Mönstadt und Naunstadt gemeinsam und demokratisch gelenkt.
Heute ist dieses Rathaus mehr als nur eine Behörde. Es ist der Ort, an dem die von Freiherr vom Stein erdachte, kommunale Selbstverwaltung tagtäglich gelebt wird. Hier werden Beschlüsse der kommunalen Gremien vorbereitet, tagen die gewählten Vertreterinnen und Vertreter in Ausschüssen und debattieren über die Zukunftsthemen der Gemeinde.

Tobias Stahl

Rathaus, 1992 (Foto: Renate Hoyer)
Blick vom Bahnhofsweg auf die Frankfurter Straße, auf der linken Seite ist das Rathaus der Gemeinde Grävenwiesbach zu sehen, ca. 1990. (Foto: Benno Grieshaber)