Bischof-Kaller-Straße 3, 61462 Königstein
Haus der Begegnung, Königstein im Taunus
Königstein ist ein Konzentrationspunkt westdeutscher Nachkriegsgeschichte, ein Album des Werdens der Bundesrepublik, anschaulich fassbar in der Architektur dieses Baus. Das „Haus der Begegnung“ wurde 1954/55 nach Plänen des Frankfurter Architekten Hans Busch (1911–1990) als katholisches Kongresszentrum erbaut. Die nötige Finanzierung wurde überwiegend durch Spenden von Heimatvertriebenen ermöglicht.
Geschichte
Das Gebäude steht mit seiner typischen Nachkriegsarchitektur für das Streben nach Austausch und Verständigung in der jungen Bundesrepublik. Bis heute prägt es mit seiner 33 Meter breiten Glasfassade und dem Sgraffito des sogenannten „Königsteiner Engels“, beides geschaffen von dem Hattersheimer Künstler Prof. Jupp Jost (1920–1993), weithin sichtbar das Ortsbild. In den Zeiten des „eisernen Vorhangs“ war es Anlaufpunkt der internationalen Ostpriesterhilfe und von „Kirche in Not“, die sich zunächst vor allem der osteuropäischen Priester und ihrer Gemeinden annahm und heute weltweit tätig ist.
Als Tagungsort ist das „Haus der Begegnung“ eng verbunden mit dem „Königsteiner Kreis“, einer 1949 gegründeten Vereinigung von einflussreichen Juristen und Volkswirten, die aus der sowjetischen Besatzungszone und der DDR geflüchtet waren. Zum ersten Vorsitzenden wurde MdB Hermann Brill (1895–1959) gewählt. Als Widerstandskämpfer in der NS-Zeit, zuletzt im KZ Buchenwald inhaftiert, wurde er nach der Befreiung 1945 erster Regierungspräsident von Thüringen. Von der sowjetischen Besatzungsmacht erneut verfolgt, siedelte der Sozialdemokrat Brill in den Westen über. Er wirkte am Verfassungskonvent von Herrenchiemsee mit und wurde Chef der Hessischen Staatskanzlei. Ihm und seinen Mitstreitern im „Königsteiner Kreis“ ging es um die Wiedergewinnung der deutschen Rechts- und Wirtschaftseinheit auf der Grundlage der Menschenrechte, des demokratischen Aufbaus und der Rechtskontrolle der Staatsorgane. Genau analysierten sie die Entwicklung in der DDR und berieten Politiker der Bundesrepublik. Mit der Wiedervereinigung sahen sie ihre Aufgabe als erfüllt an und lösten die Vereinigung auf.
Das Tagungshaus blieb bis in jüngste Zeit Symbol des demokratischen Miteinanders. Den schon geplanten Abriss verhinderte ein Bürgerbegehren. Das 1991 in städtischen Besitz übergegangene Gebäude wurde umfangreich denkmal- und klimagerecht saniert und im Jahr 2012 als Kultur- und Veranstaltungszentrum wiedereröffnet.
Dr. Alexandra König