Kirchstraße 9, 61462 Königstein
Marienkirche, Königstein im Taunus
Am 25. April 1848 war die katholische Kirche St. Marien in Königstein üppig mit Tannengrün und Girlanden geschmückt. Vom Turm wehten weithin sichtbar die schwarz-rot-goldenen Bundesfarben. So empfing der ehrwürdige Bau die 726 Wahlmänner aus 127 Ortschaften der Ämter Königstein, Höchst, Idstein, Usingen und Reichelsheim zur Wahl der Abgeordneten für die verfassunggebende Nationalversammlung in Frankfurt a. M. Die Kirche bot den größten Raum der Stadt und war damit der einzige Ort, der die große Zahl der Anwesenden fassen konnte.
Ort der Deputierten-Wahl für die Paulskirchenversammlung
Vorausgegangen waren die landesweit in Kundgebungen und Demonstrationen geforderten und schließlich von Herzog Adolph erfüllten „Forderungen der Nassauer“ nach Pressefreiheit, Öffentlichkeit der Justiz, Volksbewaffnung und Wahl eines deutschen Parlamentes. Die „von oben“ eingesetzten Stadtschultheißen wurden abgesetzt und neue Bürgermeister gewählt – in Königstein fiel die Wahl auf den Konditor Jakob Hees (1812–1885). Auch erfolgte hier wie in anderen Städten des Herzogtums die Gründung einer Bürgerwehr, auch „Sicherheitscomitee“ genannt, die für Ruhe und Ordnung sorgen sollte.
Der nächste Schritt war nun die Wahl der Abgeordneten zur Nationalversammlung. Um 11.00 Uhr traten die Wahlmänner in der Pfarrkirche zusammen. Als Abgeordneter des 5. Wahlbezirks wurde der Regierungsdirektor Karl Philipp Hehner (1809–1880) aus Wiesbaden in die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche gewählt.
Hehner galt als „gemäßigter Linker“. Er bedankte sich mit einem Aushang in seinem Wahlbezirk:
„Sie haben mich am 25. d.M. zu Königstein zu Ihrem Vertreter für die große, zur Gründung einer Verfassung für ganz Deutschland berufenen Versammlung gewählt (…) Meine Freunde! Es ist ein großer weltgeschichtlicher Augenblick, in dem wir an den Aufbau einer Verfassung für das verjüngte wiedergeborene Deutschland gehen.“
Das Königsteiner Sicherheitskomitee gab ihrem Abgeordneten Hehner sowie den anderen fünf Abgeordneten des Herzogtums Nassau die Aufforderung mit, dass der Herzog als „regierender Herr“ beibehalten werde und die nassauischen Prinzen Anwartschaft auf den Thron hätten. Außerdem sollten eine Vermögens- und Besoldungssteuer sowie das Einkammersystem eingeführt werden.
Am 18. Mai 1848 kam zum ersten Mal die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche zusammen.
Dr. Alexandra König