Grabenstraße 6, 61476 Kronberg
Gasthaus „Zum Feldberg“, Kronberg im Taunus
Ein Wirtshaus in der Kronberger Grabenstraße 5 gab es wohl schon seit 1860. Friedrich Mösinger übernahm 1903 den Betrieb und unter seinem Sohn und Nachfolger Friedrich, genannt Friedel, sollte dem „Gasthaus zum Feldberg“ eine besondere Rolle, insbesondere in der nationalsozialistischen Zeit, zukommen. Friedel war Sozialdemokrat und in seiner Gaststätte trafen sich Parteigenossen und Menschen des sozialdemokratischen Milieus.
Geschichte
Nach der Regierungsübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 und der unmittelbar danach einsetzenden Verfolgung der Arbeiterparteien, bot der „Feldberg“ zunächst noch einen geschützten Raum. Die Gästegemeinschaft kannte sich, konnte Fremde, die in spitzelnder Absicht das Gasthaus betraten, identifizieren und vor unvorsichtigen Gesprächen warnen. Diese Ausrichtung der Gaststätte war selbstverständlich stadtbekannt und Nationalsozialisten war der Besuch des „Feldbergs“ verboten. Aber dort geschah wohl auch mehr als Gespräche unter Gleichgesinnten.
Eine Widerstandsgruppe um den späteren Oberhöchstädter Bürger Paul Apel organisierte die Verteilung der natürlich verbotenen Zeitschrift „Sozialistische Aktion“ des Prager Exilvorstands der SPD zur Information der Parteigenossen. Die Verteilung der Exemplare und die Weitergabe von Hand zu Hand erfolgten wohl auch im „Feldberg“. Etwa 30 bis 40 Personen in Kronberg soll die Zeitschrift erreicht haben. Diese Aktivität wurde 1935 entdeckt und neben vielen anderen wurde Friedrich Mösinger verhaftet und 1936 zu einer mehrmonatigen Haftstrafe verurteilt, die er in einem der Moorlager des Konzentrationslagers Börgermoor im Emsland als „Moorsoldat“ verbüßen musste.
Während seiner Inhaftierung unternahm der Kronberger Bürgermeister Schaub einen Versuch, den „Feldberg“ schließen zu lassen, was der Landrat jedoch ablehnte. Im Juni 1937 wurde Friedrich Mösinger aus der Haft entlassen und kehrte nach Kronberg zurück. Da die Gestapo seinen Austausch mit Gesinnungsgenossen verhindern wollte, wurde er mit dem Verbot belegt, den Schankraum seiner Gaststätte zu betreten.
Dieses Verbot wurde erst im Mai 1938 durch den Landrat aufgehoben. Friedrich Mösinger und seine Frau führten das „Gasthaus Zum Feldberg“ bis 1971. So ist es möglich, dass die Versammlung zur Wiederbegründung der Kronberger SPD am 22. August 1945 dort stattgefunden hat.
Quellen:
Christopher Kopper. Das Hakenkreuz auf der Kronberger Burg. Dortmund 1990
Gerhard Beier: Wiedergründung der Kronberger SPD. Kronberger Bogendrucke 5. Jg. Nr. 7/1995
Susanna Kauffels