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Katharinenstraße 7, 61476 Kronberg im Taunus

Rathaus, Kronberg im Taunus

Die Kronberger Stadtverordnetenversammlung tagte erstmals am 22. Juli 1922 im damals neuen Rathaus der Stadt, der ehemaligen Villa Bonn. Die Sitzung des Stadtparlaments fand statt in der repräsentativen „Halle“ des Hauses, ausgestattet mit Stuckelementen, Holzvertäfelung und einem Schmuckkamin.

Villa Bonn

Im Bericht der Lokalzeitung fand die „vornehme Umrahmung“ besondere Erwähnung. Nach Jahren wechselnder Raumnutzungen, wie dem Saal im Gasthaus „Zum grünen Wald“ und zuletzt im Schulgebäude in der Heinrich-Winter-Straße, hatte das demokratische Gremium Kronbergs einen eigenen Ort. Seither wurde er für die Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung genutzt, bis 2020 auch technische Anforderungen die Verlagerung der Versammlungen des Stadtparlaments in die Stadthalle erforderlich machten.

Erbaut wurde die Villa 1901 bis 1903 durch Wilhelm Bonn, dessen Vater, Baruch Bonn, Kaufmann und Bankier aus Frankfurt, den Landsitz der Familie in Kronberg begründet hatte. Die gesamte Großfamilie Bonn verbrachte hier die Sommer. Sie war hoch angesehen, auch wegen großzügiger Wohltätigkeit, wie der Weihnachtsbescherung für die Kinder bedürftiger Kronberger Familien. Nachdem sie zum Andenken an ihre Eltern das mit einer Kapitalstiftung ausgestattete „Baruch und Betty Bonn’sche Versorgunshaus“ hatten erbauen lassen, wurden 1891 die vier Söhne Baruch Bonns, Moritz, Philipp, Wilhelm und Leopold zu Ehrenbürgern der Stadt ernannt. Wilhelm Bonn starb 1910 in Kronberg. Seine Tochter Emma lebte in Feldafing am Starnberger See, sein Sohn Max als Bankier in London. Zuletzt hielten sich Bonns 1914 in Kronberg auf und Sir Max Bonn bot 1921 der Gemeinde die Villa Bonn zum Kauf an.

Im Juni 1922 zog die Kronberger Verwaltung aus dem Bürgermeisteramt in der Frankfurter Straße, am heutigen Berliner Platz, in die repräsentative Villa. Und obwohl es seit inzwischen fast hundert Jahren als Kronberger Rathaus dient, wird das Gebäude in Kronberg immer noch als „Villa Bonn“ bezeichnet. Wie auch sonst die Erinnerung an die Familie Bonn in Kronberg sichtbar ist: Mit der 1907 benannten Wilhelm-Bonn-Straße und dem Stolperstein für Emma Bonn, die 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurde und dort zu Tode kam. Moritz Julius Bonn, ein Neffe Wilhelm Bonns, Wirtschaftswissenschaftler und Hochschullehrer, der in der NS-Zeit nach London emigriert, aber nach 1945 wohl regelmäßig nach Kronberg gekommen ist, hat in guten Erinnerungen an die Sommer in Kronberg erbeten, dass die Urne mit seiner Asche in der Rathauswand bestattet werde. Eine Plakette rechts neben dem Eingang bezeichnet die Grabstätte des „als Deutschen geborenen, als Engländer gestorbenen, des Europäers aus Überzeugung und des Kronbergers von Herzen“.

Susanna Kauffels

Villa Bonn um 1933 (Foto: Stadtarchiv Kronberg)