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Hospitalstraße 9, 61440 Oberursel

Altes Hospital, Oberursel

Das Alte Hospital in Oberursel geht auf eine Bürgerstiftung um 1530 zurück und war von Beginn an dem Gedanken der sozialen Fürsorge für alte und arme Mitbürger verpflichtet. Nach wechselvoller Geschichte – Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg, Wiederaufbau, Schließung und Sanierung – dient es heute als Seniorentreff und ist fester Bestandteil der städtischen Seniorenarbeit. Damit lebt die ursprüngliche Gründungsidee bis heute fort.

Geschichte

Das Alte Hospital geht auf eine Bürgerstiftung zurück, deren genaues Gründungsdatum unbekannt ist. Oberursels Stadthistoriker Ferdinand Neuroth hat dieses aber auf eine Zeit um 1530 bestimmen können. Der Oberurseler Bürger Volz Henchen hatte dem Hospital das Anwesen geschenkt, hinzu kamen Zehnte und Altargefälle, die für regelmäßige Einnahmen sorgten. Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich mit finanziellen Zuwendungen, so dass über die Jahre ein stattlicher Hospitalfonds anwachsen konnte, der durch Beleihung immer wieder der Stadt aus finanziellen Notlagen helfen musste. Die Gründungsidee war von dem christlichen und sozialen Wohltätigkeitsgedanken getragen, alten und armen Bürgerinnen und Bürgern Unterkunft und Versorgung zu gewähren. Im Drei-ßigjährigen Krieg wurde das Gebäude 1645 zerstört und 1668 neu erbaut. Wegen Baufälligkeit schloss man 1958 das städtische Altenheim im Hospitalgebäude. Im Zuge der Altstadtsanierung wurden die Überreste des Gebäudes 1976 saniert und im gleichen Jahr als Altentagesstätte eröffnet. Daneben waren in Anlehnung an die Gründungsidee immer Einrichtungen mit sozialen, gesellschaftlichen oder kulturellen Anliegen wie z. B. die Volkshochschule, die städtische Elternberatung, der Kulturkreis, der Heimat- und Geschichtsverein Oberursel (Taunus) e. V. oder heute der Internationale Verein Windrose Oberursel 1976 e.V. als Mieter in der heutigen Hospitalgasse 9 ansässig. Das Alte Hospital dient heute als Seniorentreff und ist mit einem vielfältigen Veranstaltungsangebot fester Bestandteil der städtischen Seniorenarbeit. Hier können sich ältere Menschen in Oberursel treffen und austauschen. Das Alte Hospital steht im Jahr 2026 erneut vor einer Kernsanierung mit Brandschutzmaßnahmen.

Der Hospitalfonds spielte in der 1848er Zeit eine besondere Rolle. 1816 war der lukrative Hospitalfonds an den Sitz der neuen Amtsarmenverwaltung in Königstein übergegangen. Das hatte sich gegen die Bestimmungen der Stiftungsgrundsätze gerichtet, denn die Almosenkasse sollte immer in Oberursel und in Selbstverwaltung verbleiben. Während der nassauischen Verwaltung wurden mehrfach ortsfremde Personen unterstützt, wodurch sich bedürftige Einheimische benachteiligt fühlten. Die Situation der der Bürgerschaft über dreißig Jahre ein Dorn im Auge gewesen. Am Mon-tag, den 6. März 1848, versammelte man sich auf dem Marktplatz. Ca. 220 Oberurseler sollen zum Amtshaus nach Königstein gezogen sein. Die Aktion war von Erfolg gekrönt, man erhielt den Fonds in einer Kiste zurück, man bedankte sich und kehrte im Triumphzug singend „Brüder reicht die Hand zum Bunde“ nach Oberursel zurück, wo bereits die Glocken läuteten. In der Hospitalkirche fand eine Dankfeier statt. Seitdem hatte der Fonds bis zu seiner Auflösung Oberursel nicht mehr verlassen.

Sylvia Goldhammer

Altes Hospital, 1970 (Foto: Verein für Geschichte und Heimatkunde Oberursel (Taunus) e.V., Sammlung K.H. Arbogast)
Blick zur Hospitalkirche (Foto: Kreisarchiv Hochtaunuskreis)