Wilhelmjstraße 1, 61250 Usingen
Rathaus, Usingen
Das Usinger Rathaus wurde 1687 als selbstbewusstes Zeichen der Bürgerschaft gegenüber dem Residenzschloss errichtet und steht bis heute als Sitz der Stadtverwaltung in Dienst. Nach einer behutsamen Sanierung und Erweiterung in den 1990er Jahren – bewusst ohne Neubau auf der grünen Wiese – vereint es historische Bausubstanz mit moderner Verwaltung. Als Ort von Bürgerbüro, Magistrat und Stadtverordnetenversammlung bringt es Verwaltung, Exekutive und Bürgerschaft unter einem Dach zusammen.
Demokratie braucht einen Ort der Information und des exekutiven Handelns
Es waren die Bürger der Stadt Usingen, die 1687 dem Residenzschloss gegenüber ihr gewachsenes Selbstbewusstsein durch den Bau ihres Rathauses zum Ausdruck brachten. Das ursprüngliche spätmittelalterliche Gebäude wurde abgerissen und an seiner Stelle ein neuer Bau erstellt. Ein auf der Nord-Süd-Achse liegender Gewölbekeller wurde übernommen und als Weinkeller genutzt. Heute befindet sich dort das Archäologische Museum.
Das Erdgeschoss des Neubaus betrat man von der Obergasse aus über eine zweiseitige Freitreppe. Im Erdgeschoss befand sich die große Halle mit vier Stützen. Sie diente als Marktplatz und Versammlungsraum der Bürger. In den beiden Obergeschossen lagen die Amtszimmer der Bürgermeisterei. Auf dem Dach befindet sich noch heute ein Dachreiter, der von einer Haube bekrönt ist, auf der eine schmuckvolle Wetterfahne mit dem nassauischen Löwen weht.
Das Rathaus überstand im Jahre 1692 den großen Stadtbrand in Usingen und beherbergt noch heute die Stadtverwaltung in Usingen.
Für eine moderne Bürgerverwaltung ist der historische Bau zu klein geworden. Mitte der 90er Jahre beginnen Überlegungen zur Sanierung und Vergrößerung der Verwaltung. Nach heftigen Diskussionen und einer Bürgerbeteiligung entscheidet die Stadtverordnetenversammlung: Auf einen Neubau auf der grünen Wiese wird verzichtet; das historische Gebäude wird innen und außen saniert; die alte Holztreppe wird durch einen lichten gläsernen Treppenhausbau ergänzt, der zugleich eine bauliche Verbindung zum Nachbarhaus herstellt, das zur Erweiterung der Stadtverwaltung in das historische Rathaus einbezogen wird.
Der Bürgermeister sitzt nun im Obergeschoss mit klarem Blick auf den Schlossplatz. Er ist zuständig für die Umsetzung der Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung. Sein Beratungs- und Entscheidungsgremium ist der Magistrat, die Versammlung der derzeit elf Stadträtinnen und Stadträte, denen er vorsitzt. Dieser „Think Tank“ vertritt die Stadt nach außen und ergreift auch Initiativen, die in Antragsform von den Fraktionen oder vom Bürgermeister in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht werden. Im Gebäude des Rathauses werden auf diese Weise Legislative und Exekutive in einen Handlungszusammenhang gebracht, der die Entwicklung der Stadt voranbringt.
Im Erdgeschoss, in der alten Markthalle, ist heute das Bürgerbüro eingerichtet. Es ist die zentrale Anlaufstelle für die Bürgerinnen und Bürger in allen Verwaltungsangelegenheiten und für die Organisation und Durchführung von Wahlen zuständig. Es ist somit der kommunikative Mittelpunkt im Alltagsleben der Stadt.
Das Rathaus in Usingen ist heute ein Gebäude von kulturgeschichtlicher Bedeutung, ein bürgerfreundliches Auskunftsbüro sowie ein Ort politischer Entscheidung und Umsetzung.
Gerhard Brähler