Am Senner 1, 61276 Weilrod
Rathaus, Weilrod
Ein historisches Wahrzeichen und lebendiges Zentrum kommunaler Demokratie Das heutige Rathaus der Gemeinde Weilrod blickt auf eine bewegte und facettenreiche Geschichte zurück, die eng mit der Entwicklung der Region verbunden ist. Erbaut in den 1920er Jahren im repräsentativen neobarocken Stil, wurde das Gebäude ursprünglich als „Kurhotel Streda“ errichtet und prägte mit seiner eleganten Architektur und seiner exponierten Lage hoch über dem Weiltal von Anfang an das Ortsbild.
Ein historisches Wahrzeichen und lebendiges Zentrum kommunaler Demokratie
Die Wahl dieses Standorts war kein Zufall: Die erhöhte Position am „Senner“ verleiht dem Gebäude eine besonders markante und weithin sichtbare Präsenz, die bis heute charakteristisch für das Erscheinungsbild Weilrods ist.
Doch die Geschichte des Gebäudes spiegelt nicht nur architektonische Eleganz wider, sondern auch die vielfältigen gesellschaftlichen Veränderungen des 20. Jahrhunderts. Während der Zeit des Nationalsozialismus diente es als Landjahr- und Schulungslager, bevor es nach 1945 eine neue Bestimmung als Notquartier für Evakuierte und Flüchtlingsfamilien fand. In dieser Zeit wurde das Gebäude zu einem Ort des Neuanfangs für viele Menschen, die in Weilrod eine neue Heimat suchten.
In den folgenden Jahrzehnten erlebte das „Haus am Berg“, wie es später genannt wurde, eine Renaissance als Hotel und Pension. Unter der Leitung des Investors Heller und später des Ehepaars Auerhammer entwickelte es sich zu einem beliebten Restaurant und Gästehaus, das Besucher aus nah und fern anzog. Doch die Geschichte des Gebäudes war noch nicht zu Ende: Die Familie Zeh führte es schließlich als Jugendhaus, in dem Konfirmanden und Jugendgruppen aus Weilrod und Umgebung eine Heimat fanden. Diese Phase unterstreicht die soziale und gemeinschaftsstiftende Rolle, die das Gebäude über die Jahrzehnte hinweg einnahm.
Im Jahr 1972 erwarb die junge Großgemeinde Weilrod das Anwesen und machte es am 7. Oktober 1972 offiziell zum Rathaus. Dieser Schritt markierte nicht nur den Beginn einer neuen Ära für das Gebäude, sondern auch für die gesamte Gemeinde. Denn nur wenige Monate zuvor, im Zuge der hessischen Gebietsreform, war die Gemeinde Weilrod durch den Zusammenschluss von 13 zuvor selbstständigen Ortsteilen entstanden. Mit einer Fläche von 71,16 km² und einer vielfältigen Struktur aus Dörfern und Weilern und 3.100 ha Gemeindewald wurde Weilrod zur flächengrößten Gemeinde im Hochtaunuskreis – und das Rathaus zu ihrem zentralen Dreh- und Angelpunkt.
Das Rathaus ist auch ein kulturelles und denkmalgeschütztes Juwel. Aufgrund seiner architektonischen Bedeutung und seiner geschichtlichen Prägung wurde das Gebäude als Kulturdenkmal gemäß § 2 Absatz 1 des Hessischen Denkmalschutzgesetzes in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen eingetragen. Diese Auszeichnung unterstreicht den besonderen Stellenwert des Rathauses für die Identität und das kulturelle Erbe der Gemeinde. Die neobarocke Architektur des Gebäudes ist bis heute ein Blickfang. Mit seinen klaren Linien, den repräsentativen Fassadenelementen und der harmonischen Einbindung in die Landschaft verkörpert es eine Epoche, in der Ästhetik und Funktionalität Hand in Hand gingen.
Die Aufgaben der Gemeindeverwaltung sind vielfältig und reichen von der Planung und Umsetzung von Bauprojekten über die Gestaltung der örtlichen Infrastruktur bis hin zu sozialen und kulturellen Angeboten. Ob es um die Kinderbetreuung, Bildungsangebote, die Förderung von Vereinen oder die Organisation von Veranstaltungen geht: Im Rathaus wird daran gearbeitet, dass Weilrod eine attraktive, lebendige und zukunftssichere Gemeinde bleibt. Dabei steht immer der Mensch im Mittelpunkt – denn eine Gemeinde lebt von ihren Bürgerinnen und Bürgern, und das Rathaus ist der Ort, an dem ihre Anliegen Gehör finden.
Götz Esser & Isabel Driever mit Unterstützung von Karl-Otto Kilb und Erwin Buhlmann vom Geschichtsverein Weilrod